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Kleine Weininfo

Ökologischer Anbau

 

Wie in keinem anderen Lebensmittel teilen sich uns im Wein Herkunft, Klima, Boden und die Arbeit des Winzers mit. Jeder gute Wein ist im positivem Sinne originell. Diese Originalität ging mit dem Einzug moderner Landwirtschaftspraktiken großenteils verloren. Die Ausdehnung der Rebflächen auf fette Böden und der Einsatz von Kunstdünger macht es heutzutage möglich, riesige Erntemengen zu erzielen, die oft weder nach Qualität, noch nach Lagen selektiert in Großbetrieben zu uniformen Produkten verarbeitet werden.

Derart ausgebeutete Rebstöcke reagieren mit erhöhter Krankheitsanfälligkeit, so daß die Erträge nur durch massiven Einsatz chemischer Insekten-, Pilz- und Unkrautbekämpfungsmittel gesichert werden können. Diese Mittel zerstören aber weitgehend das sehr empfindliche ökologische Gleichgewicht im Weinberg, und das vielfältige Bodenleben.

Mit den daraus resultierenden Qualitätsverlusten wollen sich viele Winzer nicht abfinden. So empfiehlt beispielsweise der angesehene Verband deutscher Prädikatsweingüter (VDP) seinen Mitgliedern den völligen Verzicht auf Herbizide und schreibt ihnen strenge Höchstertragsgrenzen vor. Aus Qualitätsbewußtsein haben manche Winzer im Bodeauxgebiet schon in den 60er Jahren begonnen, ökologisch zu wirtschaften. Auch nach Ansicht vieler Winzer im Burgund können nur behutsam gepflegte Böden die Trauben für ihre vielschichtigen und finessenreiche Rot- und Weißweine hervorbringen; daher arbeiten sie nach den Regeln der biologisch dynamischen Wirtschaftsweise.

Letzlich sind die Gründe der einzelnen Winzer für den Ausstieg aus der konventionellen Weinbereitung so unterschiedlich wie die Kulturen, in denen sie aufgewachsen sind, wie die Böden, auf denen ihre Rebstöcke stehen und wie die Weine, die sie daraus bereiten. Für viele war sicherlich der Widerwillen gegen das fast alltägliche Hantieren mit Gift ausschlaggebend. Gemeinsam ist ihnen der Mut zu einem Schritt, der ein großes persönliches Engagement abverlangt.

Die wichtigsten Merkmale des ökologischen Weinbaus sind:

Im Weinberg
  • Kein Einsatz von chemisch-synthetischem Dünger, gedüngt wird organisch. Mineralien werden bei Bedarf durch natürliche Gesteinsmehle zugeführt. Die Weinberge sind begrünt und werden gemulcht.
  • Verbot von chemischen Herbiziden, Insektiziden und Fungiziden. Rebschädlinge werden durch natürliche Spritzmittel, die Förderung von natürlichen Feinden und durch die Stärkung der Widerstandskraft der Rebe bekämpft. Ertragseinbußen werden hingenommen.
  • Schonende Bodenbearbeitung und Pflanzenpflege mit dem Ziel der langfristigen Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit. Die Monokultur Weinrebe soll in ein funktionierendes "Ökosystem Weinberg" verwandelt werden.

Im Weinkeller

  • Den unvermeidlichen Schwefeleinsatz weit unter den gesetzlich erlaubten Höchstmengen zu halten, keine Sorbinsäure im Wein. Verbot von Weinbehandlungsstoffen, die im Verdacht der Gesundheitsbeeinträchtigung stehen (asbesthaltiges Filtermaterial, die sogenannte Blauschönung etc.)
  • Vermeidung von rohstoff- und und energieintensiven Verfahren der Weinbehandlung.
  • Kontrolle zur Einhaltung dieser Bestimmungen durch die Anbauverbände, in Frankreich z. B. Nature & Progrès, in Deutschland z. B. der Bundesverband Ökologischer Weinbau e. V.

Für den Weintrinker

  • Eine wesentlich geringere Belastung mit Pestiziden und anderen synthetischen Schadstoffen im Wein. Eine völlige Rückstandsfreiheit kann jedoch wegen der allgemeinen Umweltbelastung nicht garantiert werden.
  • Die Qualität der Ökoweine liegt im allgemeinen über dem Durchschnitt. Gründe hierfür sind die vorgeschriebene Mengenbegrenzung und der schonende und individuelle Anbau der Weine.

Für Mensch und Natur

  • Die Böden, das Grundwasser und die Luft werden nicht mehr mit Pestiziden und Nitraten verseucht.
  • Enge Kooperation bei Transport und Vertrieb, vorzugsweise Verwendung von Mehrwegverpackungen oder notfalls Verpackungen aus Recyclingmaterial. Dies schont wertvolle Ressourcen und ermöglicht verbrauchergerechte Preise.